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Hugo Ulrich (* 26. November 1827 in Oppeln, Provinz Schlesien; † 23. März 1872 in Berlin) war ein deutscher romantischer Komponist, Musiklehrer und Arrangeur.


Leben



Kindheit und Jugend


Hugo Ulrich wurde am 26. November 1827 zu Oppeln in Schlesien geboren, wo sein Vater Gymnasialoberlehrer war. Er wurde katholisch getauft. Beide Eltern waren für Musik begeistert; der Vater als Musiklehrer und Klavierspieler geschätzt und die Mutter vor allem als ausgezeichnete Interpretin von Mozarts Arien. Diese ersten Eindrücke im elterlichen Hause waren offenbar von entscheidendem Einfluss auf seine spätere Laufbahn. Nachdem er im Alter von neun Jahren bereits seinen Vater verloren hatte, erteilte ihm der Rektor des Oppelner Gymnasiums Kotzoldt Klavier- und Orgelunterricht. Dieser erkannte in Hugo Ulrich eine außerordentliche Begabung und ebnete ihm schon in den jungen Jahren seinen beruflichen Werdegang als Berufsmusiker. Kaum zwölf Jahre alt verlor er auch seine Mutter, wodurch der Junge nicht nur Vollwaise, sondern auch praktisch mittellos wurde. Dennoch kam er zunächst auf das katholische Gymnasium St. Matthias in Breslau, wo er als Stipendiat Unterhalt und freien Unterricht erhielt, dafür aber Kirchenmusik auszuführen hatte: Er wirkte hier als Altist und hatte beim Gymnasialgottesdienst die Orgel zu spielen. Hier erhielt er auch den ersten Unterricht im Generalbass durch den damaligen Domorganisten Moritz Brosig. Zum großen Kummer seines Vormunds Kotzoldt und der Verwandtschaft vernachlässigte er aus Liebe zur Musik andere Fächer, weshalb er 1846 nach Glogau versetzt wurde, um dort seine Gymnasialbildung zu vollenden. Noch im selben Jahr „bestand er glücklich“[1] sein Abiturientenexamen und zog anschließend nach Berlin, um dort Musik zu studieren.


Studien


Der Breslauer Universitätsmusikdirektor Mosewius, der ihn selbst im Gesang unterrichtete[2] und zu seinen Gönnern zählte, hatte den jungen Ulrich dem damals bekanntesten Berliner Musikprofessor Marx anempfohlen. Dieser nahm ihn jedoch als Schüler nicht an, angeblich nur deshalb, weil er ihm nicht das gewünschte Honorar zahlen konnte. Auf Empfehlung von Giacomo Meyerbeer, dem damaligen Generalmusikdirektor der Berliner Oper, studierte er aber bei dem damals hoch geschätzten Musiktheoretiker und Kompositionslehrer Siegfried Dehn am Stern’schen Konservatorium über zwei Jahre lang.[3]


Leben und Schaffen


Der Umgang mit Siegfried Dehn wirkte auf Hugo Ulrich so fruchtbringend, dass er bereits mit seinen ersten Werken für Kammermusik (z. B. das Dehn gewidmete Trio op. 1) wie auch mit seinen beiden Sinfonien allgemeines Aufsehen. Seine h-moll-Sinfonie, welche 1852 erschien, machte bald die Runde durch die bedeutenden Konzertsäle Deutschlands und mit seiner „Symphonie Triomphale“ gewann er 1853 den Großen Preis der Königlichen Belgischen Akademie zu Brüssel. Als er in Brüssel am 27. September 1853 der öffentlichen Erstaufführung beiwohnte, erntete er den begeisterten Beifall des Publikums; den gleichen Erfolg hatte diese Sinfonie bei jeder Aufführung an den verschiedenen Orten. Fortan erwartete man gespannt neue Schöpfungen des jugendlichen Komponisten. Allerdings sollten diese beiden Sinfonien den Gipfel seines Schaffens darstellen. Immerhin konnte er von da an das Leben eines anerkannten Künstlers führen. Pech, Neid, Missgunst und sein eigenbrödlerischer Charakter verhinderten jedoch seinen Aufstieg unter die größten Musiker seiner Zeit, in der es an großen Talenten nicht mangelte. Und wegen des damals noch unzureichend entwickelten Urheberrechtes kämpfte Hugo Ulrich trotz seiner großen Erfolge als Komponist und Arrangeur zeitlebens mit finanzieller Not. Das Musikgeschäft war schon damals nicht leicht.

Im September 1855 war es ihm endlich beschieden, in das Land seiner Sehnsucht, nach Italien, zu verreisen, das er mit den großartigen Plänen zu neuen Werken betrat. Er lebte in Venedig, Turin, Genua, Rom und Mailand. Inspiriert durch das „Land der Wunder“, begann er auch bald wieder zu arbeiten: Eine Oper: »Bertran de Born«, zu der ihm Max Ring den Text geschrieben hatte, beschäftigte ihn unter anderen ernsthaft, bis ihn die äußern Umstände wieder nach Deutschland trieben.[4]

Im März 1858 kehrte er wieder nach Berlin zurück, verlor aber bald die Schaffensfreude seiner Jugendjahre fast vollständig – wohl wegen des überhöhten Selbstanspruchs, der ihn aufgrund seiner früheren Erfolge sehr unter Druck setzte. Zwischen Februar 1859 und April 1862 unterrichtete er Komposition[5] am Stern’schen Konservatorium in Berlin, wo er früher selbst studierte.[6] Zu seinen bekanntesten Schülern zählte Hermann Goetz. Allerdings gab er das Unterrichten bald vollständig auf, weil ihm wahrscheinlich seine aufkommende Nierenerkrankung das Unterrichten erschwerte. Fortan widmete er sich hauptsächlich den Arrangements für Klavier, an denen er in seiner Berliner Wohnung arbeitete, um sie später an seine Verleger Leupertz in Breslau und C. F. Peters in Leipzig zu verschicken. Diese gehören bis heute zu den Besten ihrer Art, der Künstler selbst ging dabei zu Grunde. Wohl brachte er noch den größten Teil seiner Oper fertig und begann auch neben manchem Andern eine dritte Sinfonie in G-Dur. Hugo Ulrich litt zuletzt darunter, dass seine späteren Werke von der Fachwelt nicht so recht anerkannt wurden – möglicherweise nicht weniger als unter jener schmerzhaften Nierenerkrankung, der er mit 45 Jahren (nach Mendel-Reissmann) am 23. März 1872 erlag.[7] Andere Quellen geben dagegen den 23. Mai 1872 als sein Sterbedatum an.[8] Er wurde in Berlin-Wedding auf dem Katholischen Friedhof in der Liesenstraße bestattet.


Leistungen


Hugo Ulrich galt unter seinen Zeitgenossen als „einer der begabtesten Componisten der Gegenwart“[9], wie das Hermann Mendel zum Ausdruck brachte. In seinem Musikalischen Konversationslexikon widmete er ihm einen recht umfangreichen Artikel, der bis dato die detailreichste Spur seines Lebens blieb. Heute ist Hugo Ulrich vor allem wegen seiner zahlreichen (über 200) Klavier-Arrangements für zwei und vier Hände bekannt. Aber auch seine eigenen Kompositionen zeichnen sich durch einen hohen Anspruch aus. Nicht umsonst wurde seine Sinfonie in C-Dur (auch genannt als „Symphonie Triomphale“) von der Kgl. Belgischen Akademie mit einem Preisgeld von 1500 Francs ausgezeichnet und zur Hochzeit des Herzogs von Brabant (dem späteren König Leopold II. von Belgien) mit der Habsburgerin Marie-Henriette am 27. September 1853 in Brüssel uraufgeführt wurde. Auch noch einige Zeit danach war sie überall in Deutschland häufig gespielt.


Werke



Arrangements


A

B

C

D

E

F

G

I

J

K

M

N

O

P

Q

R

S

T

V

W

Y

Z


Cellosonate



Klaviermusik



Klaviertrio



Lieder



Opern



Ouvertüren



Scherzi



Serenade



Streicherquartett



Sinfonien



Literatur





Einzelnachweise


  1. Mendel-Reissmann Musikalisches Conversations-Lexikon, Bd. 10. Oppenheim, Berlin 1878, S. 370
  2. Hugo Riemann: Hugo Riemanns Musik-Lexikon. Hesse, Berlin, Leipzig 1916
  3. Mendel-Reissmann Musikalisches Conversations-Lexikon, Bd. 10. Oppenheim, Berlin 1878, S. 370
  4. [Mendel-Reissmann Musikalisches Conversations-Lexikon, Bd. 10. Oppenheim, Berlin 1878, S. 370]
  5. Vgl. Liste der Lehrenden des Stern’schen Konservatoriums (1850–1936)
  6. Er war nachweislich von Dehn unterrichtet, taucht aber nicht in den Schülerlisten des Stern’schen Konservatoriums auf.
  7. Mendel-Reissmann Musikalisches Conversations-Lexikon, Bd. 10. Oppenheim, Berlin 1878, S. 371
  8. Hugo Riemanns Musik-Lexikon. Hesse, Berlin 1916
  9. Mendel-Reissmann Musikalisches Conversations-Lexikon, Bd. 10. Oppenheim, Berlin 1878, S. 369
Personendaten
NAME Ulrich, Hugo
ALTERNATIVNAMEN Ullrich, Hugo
KURZBESCHREIBUNG deutscher Komponist
GEBURTSDATUM 26. November 1827
GEBURTSORT Oppeln, Provinz Schlesien
STERBEDATUM 23. März 1872
STERBEORT Berlin

На других языках


- [de] Hugo Ulrich

[en] Hugo Ulrich

Hugo Ulrich (26 November 1827 – 23 March 1872) was a German Romantic composer, music educator and arranger.

[ru] Ульрих, Гуго

Гуго Ульрих (нем. Hugo Ulrich; 26 ноября 1827 (1827-11-26), Оппельн — 23 мая 1872, Берлин) — немецкий композитор , пианист.



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