Miguel Llobet Solés (kat.Miquel Llobet i Solés; * 18. Oktober 1878 in Barcelona; † 22. Februar 1938 ebenda) war ein spanischer Gitarrist und Komponist. Er ist der bedeutendste Repräsentant der Schule Tárregas und galt damals als größter spanischer Gitarrenvirtuose.
Miguel Llobet, 1905
Biografie
Tárregas Erben: Andrés Segovia (1893–1987), Miguel Llobet (1878–1938), Daniel Fortea (1878–1953) und Emilio Pujol (1886–1980)
Miguel Llobet wurde als Sohn eines Kunsthandwerkers bzw. Holzschnitzers und Vergolders geboren. Er wuchs in unmittelbarer Nähe zu Francisco Tárrega in Barcelona auf. Schon früh begeisterte er sich für Malerei, Geige und Klavier. Später schenkte ihm sein Onkel eine Gitarre. 1889 verfolgte er den Gitarrenkomponisten Antonio Jiménez Manjón im Teatre Catalunya. Sein Besuch veranlasste ihn 1894 zum Unterricht bei Francisco Tárrega an der städtischen Musikschule in Barcelona. Zu seinem Freundeskreis gehörten Pau Casals, Emilio Pujol, Ricardo Viñes und Gaspar Cassadó. 1900 traf er auf Concepción Gómez de Jacoby, die schon Tárrega finanziell förderte.
Danach begann er eine rege Konzerttätigkeit in größeren Städten Spaniens. 1903 spielte er vor der königlichen Familie in Madrid. Wie viele seiner Musikerkollegen zog es auch ihn 1904 nach Paris. Der Pianist Ricardo Viñes organisierte dort sein erstes Konzert. Von hier aus unternahm er Tourneen in verschiedenen Ländern Europas und Lateinamerikas. Später konzertierte er auch in den USA. Überall, wo er auftrat, konnte er sensationelle Erfolge feiern. Seine einzigartige Technik, sein musikalisches Temperament und seine Interpretation von klassischen Werken wie auch zeitgenössischer Musik lösten Begeisterung bei den Zuhörern aus. Obwohl nicht in Segovias Autobiographie erwähnt, soll er ihn 1915 unterrichtet haben.
Zu Llobets bekanntesten Kompositionen gehören seine klanglich raffinierten Bearbeitungen katalanischer Volksweisen. Auch seine von der Fachwelt gelobten Bearbeitungen[1] von Werken der Klassik haben Eingang in das Repertoire der zeitgenössischen Gitarrenprogramme gefunden. Llobet bestärkte Manuel de Falla darin, seine „Homenaje“ (Pour le Tombeau de Claude Debussy) für die Gitarre zu komponieren. Mit diesem im Sommer 1920 komponierten, 1921 von Llobet uraufgeführten und 1922 auch von Segovia dargebrachten Werk eröffnete de Falla das Repertoire originaler Gitarrenkompositionen im 20. Jahrhundert.[2]
Auswahl der Gitarrenwerke von Miguel Llobet
Leonesa
Estilos Populares Argentinos, Nos 1 + 2
Estudios Capricho
Estudios en mi Major
La Preco de Lleida
Mazurka
Prélude Original
Preludio en la mayor
Preludio en mi mayor
Preludio en re mayor
Repuesta-Impromptu
Romanza
Scherzo-Vals
Variaciones sobre un Tema de Sor
Canciones populares catalanas:
Canco del Lladre
El Mestre
El Testament d’Amelia
La Filadora
La Filia del Marxant
La Nit de Nadal
L’Hèreu Riera
Lo Fill del Rei
Lo Rossinyol
Plany
El Noi de la Mare
La Pastoreta
Bekannte Schüler
Wenn man sich mit der Entwicklungsgeschichte der modernen Gitarrentechnik beschäftigt, dann steht stets der Name Francisco Tárrega im Vordergrund. Aber zu weltweitem Erfolg wurde dessen Pionierarbeit erst durch die Lehr- und Konzerttätigkeit seiner beiden Schüler Emilio Pujol und Miguel Llobet, der zum Lehrer für zahlreiche namhafte Gitarristinnen und Gitarristen wurde:
Andrés Segovia (1893–1987, Spanien): Bedeutendste Persönlichkeit der Gitarre im 20. Jahrhundert
José Rey de la Torre (1917–1995, Kuba/USA)
Luise Walker (1910–1998, Österreich)
Auguste Zurfluh (1871–1941, Schweiz): Einfluss auf Berliner Gitarrenschule
Literatur
Josef Zuth: Handbuch der Laute und Gitarre. Reprografischer Nachdruck der Ausgabe Wien 1926–28. Olms, Hildesheim, New York 1972, ISBN 3-487-04290-8, S. 180.
Maurice J. Summerfield: The Classical Guitar. Its Evolution, Players and Personalities Since 1800. 5. Ausgabe, Ashley Mark Publishing Company, Newcastle upon Tyne 2002, ISBN 1-872639-51-8, S. 181.
Hermann Leeb: Von Segovia, Pujol und Llobet. Gitarre & Laute (1980), 6, S. 32 f.
Wolf Moser: „Wenn ich eine gute Sache sehe, schreibe ich sie für mich um ...“ Interview mit José de Azpiazu. In: Gitarre & Laute 9, 1987, 3, S. 8–16; hier: S. 15 f.
Wolf Moser: Das verpaßte Repertoire. In: Gitarre & Laute 5, 1983, Heft 6, S. 388–395; hier: S. 391–393.
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